Das Vergnügen der Unwissenheit

Ich denke manchmal, dass es wundervoll ist, absolut nichts zu wissen. Man denkt für einer Weile man würde absolut keine Verantwortung oder Verpflichtung gegenüber irgendjemandem oder irgendetwas haben. Leicht und glücklich fühlt man sich, wenn man genau weiß, dass man um absolut nichts bewusst ist.  ¡Qué alegría! An dieser Stelle gebe ich zu, dass ich – so paradox es auch sein mag – diejenigen bewundere, die mit der Idee der Unwissenheit von Dingen und Situationen, Zusammenhängen und Geschehnissen ganz perfekt weiterleben können, denn auch Unwissenheit erfordert eine besondere Begabung.

Es handelt sich also um eine unglaubliche Technik, bei der die jeweilige Person von Interesse genau und absolut nichts weiß, aber alle um sie herum mehrmals meisterhaft davon überzeugt sind, dass diese Person alles besser weiß (indem sie aus einem Papierberg Sachen liest und scheinbar intelligente Scheiße redet). Außerdem ist die Situation oft so, dass diese Person, die so fürchterlich spricht, auch noch wahnsinnig gerne spricht. Leider. Es ist also hier zu sagen, diese Person, ist ihrer eigenen Unwissenheit nicht bewusst.

„Meine Liebe, Sie sollten sich besser über das Thema informieren.“ sagen diejenigen die gar nichts wissen.. Vielleicht sollte ich mehr die Kunst dieser Personen mit so großer Sicherheit und Unbewusstheit gleichzeitig zu sprechen, genießen. Denn es ist wirkilich ein Talent die Gelegenheit zu haben, diese verrottete Leere mit solcher Eleganz teilen, zu können.

Das Wissen, das wie Regen auf eine sterile Wüste fällt… 

Nicht ganz genau.

Man könnte sagen, dass der Ekel der Unwissenheit meistens diejenigen irritiert, die auf Details achten. Und warum nicht im Endeffekt? Ein sehr natürliches und logisches Ergebnis.

Aber wer ist am Ende besser von den beiden und warum? Die Antwort ist Niemand. Es ist nur so, dass die zur Lebensweise gewordene Unwissenheit (nach täglicher Gehirnwäsche und damit fehlender Schaffung eines möglicherweise vollständigeren Bildes der Dinge) tief in die Haut eingedrungen ist und die neue Haut geworden ist.

Und natürlich wirkt das Alles am Anfang wie ein naives, leichtsinniges Spiel. Es bereitet sogar Freude und Spaß. Dahinter steckt jedoch eine bittere Realität. Die Realität der Unwissenheit. Die Realität der Dummheit.

Manchmal frage ich mich nur, ob sich jemand jemals gefragt hat, wie viele Dinge von dem, was er akzeptiert, um in seinen Schädel und sein Gehirn einzudringen, jede andere, innovative Idee, die er jemals erschaffen könnte, zerstört haben.

Ich kann mir jetzt eine Stimme vorstellen, die sagt: „Jetzt kannst du jede Authentizität verlieren und einfach das machen, was die anderen machen.“

Schmutzige kleine hässliche Fliegen. Haften sie schneller als die Pest von 1850 oder die Windpocken Indiens von 1975? Dieser Vergleich ist jetzt nicht wichtig. Wichtig ist nur, dass man sich das Risiko bewusst wird und alle notwendigen Maßnahmen ergreift. Denn die Unwissenheit und Blindheit scheinen heutzutage genauso ansteckend wie die oben genannten Epidemien, zu sein.

Es ist wirklich ekelhaft, erniedrigend für unsere eigene Intelligenz. Ja, das ist es. Angeblich wollen wir im Vergleich zu allen anderen da draußen als die intelligenteste Spezies angesehen werden. Und doch ist es so lustig, weil wir uns so oft wie eine Maus, die gerade in die Falle gegangen ist, täuschen lassen. Und das alles für so ein kleines Stück Käse. Welche Hungersnot!

Die Unwissenheit so seht zu genießen scheint mir keine so gute Idee.

Das Schönste da draußen sind die unsichtbaren Wissenslinien, der Geist selbst und seine Fähigkeit, Informationen zu transformieren. Oft empfinden wir diese Fähigkeit als etwas Selbstverständliches oder etwas ganz Einfaches. Das Universum ist jedoch in uns und das ist etwas, dass an sich nicht so einfach sein kann.

4 thoughts on “Das Vergnügen der Unwissenheit

  1. Leider scheint mir, dass wir durch die zu vielen Informationen nicht besser sondern schlechter informiert sind! Unfortunately, it seems to me that the too many informations do not make us more informed, but the contrary! Many thanks for your thoughts e cari saluti:)

    Liked by 1 person

    1. Hallo Martina! Ja, ich weiß wie du es meinst. Zygmunt Bauman spricht davon. Jedoch meine ich mit dem Text eher, dass die Menschen mehr auf die Details achten sollten und nicht die Quantität der Information. Aber ich stimme deinem Kommentar voll zu! Danke für deine Meinung 🙂

      Liked by 1 person

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out /  Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out /  Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out /  Change )

Connecting to %s